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Hört, hört: Neues aus dem Plattenladen

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http://www.freedigitalphotos.netHeute mal der Blick auf zwei aktuelle Releases von deutschen Bands, die unterschiedlicher kaum sein könnten, aber sich gerade in den Top Ten der Charts treffen – und auch sonst mehr gemeinsam haben, als man denkt: Rammstein und Element of Crime. Meine Meinung:

Rammstein – Liebe ist für alle da

rammst Groß, größer, Rammstein – wer den Werdegang der Berliner in den letzten Jahren verfolgt hat weiß, dass aus der Band mittlerweile eine gigantische Maschinerie geworden ist.  Millionenfach verkaufte Platten weltweit, teure Videos und bombastische Live-Shows mit mehr Pyro-Gedöns als Metallica – zuletzt wunderbar dokumentiert durch eine Live-DVD/CD mit dem vielsagenden Titel "Völkerball". Wie kann man das noch toppen? The world is not enough – auf Rammstein trifft dieser Bond-Filmtitel durchaus zu. Nun also das neue Album und Rammstein-typisch bgeleitet die Veröffentlichung wieder ein Skandälchen. Dabei ist es schon verwunderlich, dass man mit so ’ner feuchten Porno-Soße wie "Pussy" und entsprechendem Video incl. Veröffentlichung auf ’nem Sex-Portal noch einen Hund hinterm Ofen hervorlocken kann. Mittlerweile wurde sogar das ganze Album indiziert – kann’s ’ne bessere Promo geben?  Viel schlimmer find ich meine private Horrorvorstellung von irgendwelchen betrunkenen Deutschen oder Engländern, die am Ballermann in voller Lautstärke "Pussy" vor sich hin grölen. Aber das nur nebenbei 😉

Zurück zur Musik:  Wie immer bei Rammstein fällt auch dieses Mal wieder die extrem fette und druckvolle Produktion auf. Ein paar Bläser hier und da wie bei "Waidmanns Heil" und ein wenig französische Wortschnipsel im hübschen "Frühling in Paris" – das war’s im großen und Ganzen mit den Neuerungen im Rammstein-Soundkosmos. Ansonsten enthält das Album die bekannte, geradezu perfide perfekte Mischung aus metallischer Härte,  eingängigen Melodien und hymmnischen Refrains. Über allem thront Till Lindemanns mächtiges Organ und zelebriert die, wie immer, etwas kruden und expresssiven Texte zwischen Liebe, Romantik, Sex, Gewalt und Tod. Das ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack, weiß aber – zumindest musikalisch – meistens zu gefallen. Ein wenig härter als bim letzten Output "Rosenrot" geht es dieses Mal zu, auch Lindemanns Stimme hat sich deutlich weiter entwickelt. Ansonsten gibt’s wie gesagt wenigs Neues, Aufregendes oder gar Provokantes. Wer Rammstein mag wird mit dem neuen Album glücklich sein, neue Fans wird die Band mit "Liebe ist für alle da" nicht gewinnen können.

 

Element of Crime – Immer da wo du bist bin ich nie

eoc Hier auch wieder Berliner. Und auch eine Band, die sich einen sehr guten Namen gemacht hat – wenngleich nicht in dem international erfolgreichen Ausmaß wie Rammstein. Die Herren von Element of Crime (EoC) sind mittlerweile über 40 Jahre alt und bringen im Schnitt alle vier Jahre eine Platte raus, die so toll ist, dass man damit die nächsten vier Jahre überbrücken kann. Als Kritiker könnte man behaupten, dass diese Veröffentlichungspolitik sinnvoll ist, da die Platten ohnehin alle gleich klingen und man ja ungern zehn Platten mit der selben Musik im Schrank stehen haben will. Wie auch immer – der neueste Output von EoC ist wieder das, wofür man die Band kennt und liebt. Ein wenig knarziger und rauher klingt es dieses Mal – und auch wieder sehr countryesk. Eine behutsame musikalische "Weiterentwicklung", die auch schon auf dem 2005er-Album "Mittelpunkt der Welt" auffällig war. Das Cover ist erneut potthässlich und die dicke Hornbrille vom guten Sven Regener, seines Zeichens EoC-Vordenker, Songwriter und Sänger (und mittlerweile auch Bestseller-Autor) erinnert irgendwie an die Augengestelle, die bei den Tocotronic-Jungs und Weezers River Cuomo Ende der 90er so populär war.

Aber dem guten Herr Regener kann man schlecht was vorwerfen. Wer ohne mit der Wimper zu zucken Zeilen wie "Abgrund ist ein gutes Wort für die Beschreibung jenes fortgeschrittenen Verfalls der guten Sitten im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs" (Album “Romantik”, 2005)singen kann, verdient einfach Anerkennung. Überhaupt die Texte. Die sind wieder ganz wunderbar, weil so unverfälscht, so ehrlich und so nah dran am echten Leben zwischen Liebe und Alltagstrott. Dazu klimpert die Gitarre und Regeners Sprechgesang bohrt sich in Kopf und Herz. Das ist schon irgendwie großes Kino und daher auch absolut hörenswert. EoC ist eine der wenigen Bands, genauso wie eben auch Rammstein, die sich mit ihrem unverwechselbaren Sound eine eigene Nische geschaffen haben. Aber klar ist auch: Wer mit EoC bisher nix anfangen konnte, wird auch mit dem neuen Album keinen Spaß haben.

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