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War da was? MTV feiert 30. Geburtstag

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MTVEigentlich halte ich mich ja für einen recht gut informierten Menschen. Ich surfe jeden Tag im Web, habe eine mit News gepflasterte igoogle-Startseite und nutze diverse RSS-Feeds. Außerdem habe ich meine Bookmarks und beziehe verschiedene Newsletter. Dass MTV letzten Montag 30 Jahre alt geworden ist, ging aber irgendwie trotzdem an mir vorbei. Moment…30 Jahre MTV! Wie bitte? Ich komme mir gerade wahnsinnig alt vor, denn mit MTV verknüpfe ich doch sehr viele Erinnerungen. Den Sender kenne ich schon seit ich ein kleines Kind war. Irgendwie war MTV immer da und hat mich begleitet. Und zumindest bis Anfang 20 war ich definitiv auch ein großer Fan…

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich beim Zappen immer bei MTV hängen geblieben bin, weil ich ständig auf Videoclips meiner jeweils aktuellen Lieblingsbands gehofft habe. Und wie ich fasziniert war von Video-Kunstwerken wie “November Rain” (Guns´n´Roses) oder “Road to Hell” (Chris Rea), wo Film und Musik eine perfekte Symbiose eingehen und eine ganz eigene Atmosphäre erzeugen.

Guns ´n´Roses–November Rain

Dass MTV einen gewaltigen Einfluss auf die Popkultur ausübte, die der Sender ja auch selbst hervorgebracht und verbreitet hat, ist ja kein Geheimnis. Damals revolutionierte MTV das Musikgeschäft und Videoclips stellten in der Folge nicht nur ein unverzichtbares Promotion-Tool für Musiker dar, sondern entwickelten sich zu einer eigenständige Kunstform. Das Geld saß damals auch noch lockerer und die Labels konnten mal eben ein paar Hunderttausend Dollar für ein schickes Video raushauen. Künstler wie Madonna, Michael Jackson oder Kylie Minogue nutzten das neue Medium höchst profitabel für sich – Stars made by MTV!

Ich erinnere mich auch an zahlreiche Serien und Shows, die durch ihre Ausstrahlung bei MTV erst ein Publikum fanden und dann oft genug Kultcharakter entwickelten. Beavis & Butthead, Jackass, The Osbournes…die Liste ließe sich noch fortsetzen. Darunter waren auch immer mal wieder subversive Perlen wie “Drawn Together”, die ohne MTV nie aus der Produzentenschublade herausgekommen wären. Auch im sonst eher innovationsarmen Deutschland gab es beim hiesigen MTV-Ableger spannende und manchmal absurde Formate wie etwas “Unter Ulmen”, “Mein neuer Freund” oder “Pimp my Whatever”.

Drawn Together–Intro

Und heute? Fristet MTV nur noch eine Nischendasein. Als gewöhnlicher, verzichtbare Spartensender – und mittlerweile auch vom Free-TV verbannt ins Pay-TV. Schuld daran ist natürlich das böse Internet mit seinen kostenlosen Videoportalen wie YouTube, MyVideo oder Tape.tv. Und indirekt natürlich alle Internet-Nutzer, die ja ohnehin weniger Musik kaufen, weil alles im Netz legal oder illegal verfügbar ist. Wenn eine ganze Branche weniger Umsätze macht, muss das Geld natürlich bei Posten wie Videoproduktion gespart werden…

MTV hat es aber auch selber vergeigt. Indem die Musik immer mehr zur Nebensache wurde und statt Videoclips zunehmend niveaulose Reality-Shows, Dokus und Billigserien gezeigt wurden. Das ging los mit einem so unsäglichen Format wie “Flavour of Love”, das später in hundert gleich langatmigen Varianten (“Rock of Love”) ausgestrahlt wurde. Hinzu kamen High School-Serien und Pseudo-Dokus mit C, D, Irgendwas-Prominenten. Nicht zu vergessen die nervtötenden Klingeltonwerbungen, die schon lange vor dem Ende mit einer unglaublichen Penetranz nach jedem zweitem Video ausgestrahlt wurden. Welche Überraschung, dass die Zuschauer das nicht mehr sehen wollten und die Quoten noch mehr in den Keller gingen. Kein Wunder, dass vor kurzem auch das “Music Television” aus den Namen verschwand und MTV sich nun als “Jugendsender” versteht. Deutlicher kann man den Niedergang des einst kultigen Musiksenders nicht ausrücken. Beim hiesigen Ableger MTV Germany wurde auch rationalisiert und umgebaut, so dass nach und nach die moderierten Formate und damit auch populäre VJs wie Markus Kavka oder Patrice vom Bildschirm verschwanden.

Ach ja…30 Jahre Musikfernsehen. Nicht mal MTV selbst hat den seinen Geburtstag groß gefeiert. Lediglich bei den groß zelebrierten Award-Shows zeigt sich ein, zweimal im Jahr immer noch ein Stückchen des alten MTV-Glamours. Da wird dann der rote Teppich ausgerollt und die Show mit größtmöglichem Tamtam weltweit übertragen. Die gerade angesagten Stars und Sternchen dürfen sich Kusshändchen zuwerfen und in lieblichen, austauschbaren Dankesreden übertreffen. Dazu werden alle 3 Minuten die Logos der geschätzt 50 Sponsoren eigeblendet (ja, alle 6 Minuten auch das MTV-Logo). Dann darf man auch nochmal getrost die MTV-Hymne “Video killed the Radio Star” anstimmen und auf die guten alte Zeiten anstoßen!

The Buggles–Video killed the Radiostar

Daher, danke an den britischen Guardian, der sich die Mühe gemacht hat, 30 unvergessliche MTV-Momente festzuhalten:

http://www.guardian.co.uk/music/musicblog/2011/aug/01/mtv-30-best-moments

Was das Musikfernsehen angeht, so sei hier noch auf eine tolle Alternative verwiesen – ein Sender, den ich gerne anschaue, weil hier wirklich nonstop Musikvideos laufen: DeluxeMusic

 

Bildquelle: Eigener Screenshot www.mtv.com

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