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Hört, hört: Neues aus dem Plattenladen

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photo_457_20080903Es ist höchste Zeit mal wieder, ein paar neue Alben unter die Lupe zu nehmen. Gerade jetzt, wo sich nach den schweinekalten Ostertagen endlich der Frühling zeigt, habe ich richtig Lust auf frische Mucke! Auf meinem Plattenteller dreht sich derzeit das frisch veröffentlichte Album des schwedischen Pop-Darlings Amanda Jenssen und die aktuelle Scheibe von den Ex-Garagenpunks Yeah Yeah Yeahs. Auch den neuen Output von Ex-Gangster und Neu-Rastafari Snoop Dogg, pardon Snoop Lion, nehme ich unter die Lupe.

SNOOP LION – Reincarnated

(Release: 19.04.2013)

snooplion

Wenn der größte Gangsta-Rapper und Kiffer der Welt plötzlich vom Salus zum Paulus, sprich vom harten Pimp zum friedliebenden Rastafari, mutiert, ist das durchaus eine Meldung wert. Und so arbeiteten sich zuletzt auch seriöse Nachrichtenmedien wie DIE ZEIT und SPIEGEL Online, die mit Rapmusik und dessen Protagonisten sonst wenig zu tun haben, an der Verwandlung des Cordozar Broadus, Jr. alias Snoop Dogg ab. Die Story von der nebulösen Wiedergeburt des US-Rappers als Löwe im Geiste von Bob Marley ist hinlänglich bekannt, daher beschränke ich mich auf die musikalischen Begleiterscheinungen von Snoops Transformation. Ein Blick auf die Tracklist macht zunächst stutzig: Gerade mal zwei von 16 Songs (Deluxe Version) bestreitet Snoop Lion alleine, auf den anderen wimmelt es nur so von Feature-Gästen. Darunter die üblichen Verdächtigen wie Akon oder Chris Brown, die auf gefühlt jedem zweiten Hip Hop und R&B-Song, der in den USA veröffentlicht wird, zu hören sind (warum fehlt eigentlich Nicki Minaj?). Das Problem daran: Zu viel Köche verderben bekanntlich den Brei und rückblickend sorgte gerade die Überdosierung an Gästen dafür, dass die letzten Rap-Alpen von Snoop Dogg nur mittelmäßig abschnitten. Für “Reincarnated” hat sich der Maestro immerhin noch Reggae- und Dancehall-Künstler wie Mavado oder Angela Hunte ins Studio geholt, die für Abwechslung und die nötige “Credibility”, sprich Verbindung zur jamaikanischen Reggae-Kultur, sorgen. Und wie klingt unser Snoop Löwenherz nun im rauchgeschwängerten “Iron Lion Zion”-Style? Überraschend gut! Die Songs sind zwar simpel gestrickt, aber Snoops weiche Stimme und sein relaxter Flow transportieren die “Good Vibrations” gekonnt durch die Lautsprecher. Gepaart mit dem typisch schlurfenden Reggae-Offbeat ergeben seine Zeitlupen-Raps eine durchaus stimmige Kombi. Zwischen gemächlich groovenden Songs wie “So long” oder “Tired of Running” streut der Neo-Marley immer wieder schnellere Tracks für den Club ein. “Get away” oder “Fruit Juice” zwingen geradewegs auf die Tanzfläche. Thematisch dreht sich in den Lyrics – Nomen est Omen – alles um Friede, Freue, Eierkuchen und die obligatorische Marihuana-Verehrung. Snoop weiß schon, was er seinen Fans schuldig ist. Reichlich deplatziert wirkt das weichgespülte Duett mit dem Ex-Ich will nicht mehr Hannah Montana sein-Teeniestar Miley Cyrus, die ja seit einiger Zeit auf Britney Spears für Arme Musikerin macht. Das riecht doch sehr nach Kalkül und Anbiederung beim jungen Publikum. Auch die Wahl des angesagten Producers Duplo belegt, dass es Snoop nicht nur um die Musik geht, sondern schlichtweg auch um gute Verkaufszahlen. Dabei hätte Mr. Broadus das gar nicht nötig, denn rein musikalisch kann “Reincarnated” trotz Mainstream-Anbiederung überzeugen. Schade, dass er nicht mehr Risiko eingegangen ist. Für sich alleine genommen ist “Reincarnated” eine coole Reggae-Platte für den Sommer geworden – im Gesamtkontext von Snoops Schaffen stellt sie aber keinen neuen Meilenstein dar.

Links:

http://www.myplaydirect.com/snoop-lion

https://twitter.com/SnoopDogg 

 

YEAH YEAH YEAHS – Mosquito

(Release: 12.04.2013)

mosquitoErleichterung! Das war mein erster Gedanke, nach dem Schnelldurchlauf von “Mosquito”. Endlich wieder Gitarren! Und sowas wie Rockmusik! Groß war meine Sorge, dass die Yeah Yeah Yeahs wieder knietief im klebrigen Electro-Synthie-Sound, der das letzte Album “It`s Blitz!" für mich so ungenießbar gemacht hatte, herumstiefeln würden. Aber nein, “Mosquito” geht nicht nur aufgrund des fiebrig stampfenden Titelsongs in die richtige Richtung. "Irgendwie roh, irgendwie chaotisch, irgendwie verträumt", so beschreibt Frontfrau Karen O. das neue Werk. Und damit hat sie völlig Recht. Das Songmaterial passt in keine Schublade. Bunt und kribbelnd würde ich es nennen. Und im besten Fall gut hörbar, wie im Opener “Sacrilege”, bei dem sich Karen O. von einem Gospelchor begleiten lässt. Während sie in “Under the Earth” zu einem verzerrten Reggae-Groove swingt, betört sie im dramatischen “Slave” mit sexy Vocals – nur, um kurz darauf im etwas einfallslosen “Area 52” wie zu Anfangszeiten die heißere Rockröhre zu geben. Sanft wird es dann gegen Ende, wenn “Despair” und “Wedding Song” balladesk das Album beschließen. Nicht immer passt aber das Songwriting: Einer Handvoll Hits stehen ein paar unschlüssig vor sich schwirrende Nummern gegenüber (“Subway”, “These Paths”), bei denen man die ganze Zeit drauf wartet, dass noch irgendwas passiert. Sei es ein dramatischer Ausbruch, eine Killer-Hookline, irgendein Höhepunkt… So bleibt eine überdurchschnittliche Platte mit wenigen Durchhängern. Ach ja, das Cover ist natürlich übelster Trash. Mir gefällt’s, aber ich kann natürlich nur für mich sprechen Zwinkerndes Smiley

Links:

http://www.yeahyeahyeahs.com

https://de-de.facebook.com/yeahyeahyeahs

 

AMANDA JENSSEN– Hymns for the Haunted

(Release: 19.04.2013)

ajenssenAmanda wer? Während die sympathische Blondine in ihrer Heimat Schweden bereits etabliert ist, läuft sie in Deutschland noch unter der Kategorie Geheimtipp. Mit ihrem zweiten Album “Happyland” konnte sie 2010 hierzulande aber schon einen Achtungserfolg feiern. Nun steht der Nachfolger, der in Schweden bereits im November 2012 (!) veröffentlicht wurde, endlich auch bei uns in den Läden. Warum es knapp sechs Monate bis zum deutschen Release gedauert hat, ist mir unerklärlich weiß nur die Plattenfirma. Immerhin: Das Warten hat sich gelohnt. Amanda Jenssen präsentiert einen bunten Pop-Reigen der sich mit Big Band-Untermalung zwischen alle musikalischen Stühle setzt. Schon der Opener “Ghost” zeigt ihre Trademarks: Eine markante Stimme und ein Händchen für eingängige Refrains. Textlich düster entwickelt sich die mit satten Streichern und Bläsern ausgestattete Nummer schnell zum Ohrwurm. Danach geht “Boom” mit zackigen Mariachi-Bläsern direkt in die Beine und auch das schmissige “Volcano Swing” macht alles richtig. “Light and easy” klingt genau so zauberhaft leicht, wie es der Titel verspricht. Zwischenstand: Vier Songs, vier Hits. Damit hat mich die gute Amanda schon in die Tasche gesteckt. So lassen sich die folgenden, etwas glattgebügelten Nummern “Dry my Soul” und “Lay Down” gut verschmerzen. Mit “Open the Lid” folgt das nächste Highlight: Der fragile, nur mit leiser Gitarre vorgetragene Song, überrascht mit seinem plötzlichen, fast brutalem Ausbruch und beißt sich unweigerlich im Gehörgang fest. Großes Kino! Mit “Illusionist” schüttelt Amanda dann noch scheinbar mühelos eine klassische Popballade aus dem Ärmel. Bemerkenswert auch das entrückte “The Carnival” zum Abschluss eines starken Albums. Die Nummer würde sich auch auf jedem Quentin Tarantino-Filmsoundtrack gut machen. So muss Popmusik klingen!

Links:

http://amandajenssenmusic.com

https://www.facebook.com/AmandaJenssenOfficial

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